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Mathe lieben lernen

Psychologen der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchen die Wechselwirkung von Mathematiknoten und den Gefühlen, die Kinder gegenüber dem Fach haben.

Mathe lieben lernen |

Mathematik ist eines der Fächer, mit dem viele Schüler auf Kriegsfuß stehen. Doch das müsste nicht so sein. Lernpsychologen der Ludwig-Maximilians-Universität München haben über einen Zeitraum von mehreren Jahren die Wechselwirkungen von Gefühlen wie Freude oder Angst mit den Leistungen in Mathematik untersucht – und Empfehlungen für die Praxis abgeleitet.

Leistungen und Emotionen

Datengrundlage der Untersuchung war die Lernstudie „Palma“ (Projekt zur Analyse der Leistungsentwicklung in Mathematik), in deren Rahmen insgesamt 3.425 Schüler von der fünften Klasse an fünf Jahre lang begleitet wurden. Einmal im Jahr absolvierten die Teilnehmer einen Mathematiktest und beantworteten Fragen dazu, welche Gefühle sie gegenüber dem Fach hatten, ob sie etwa stolz auf ihre Leistungen oder eher verärgert waren, ob sie Spaß an Mathe hatten oder meinten, an dem Fach zu verzweifeln.

Zusammenhang zwischen Emotionen und Lernerfolg

Zunächst wenig erstaunlich war die Erkenntnis, dass Schüler mit schlechten Noten mehr negative Gefühle wie Angst, Ärger, Scham, Verzweiflung oder Langeweile in Bezug auf das Fach Mathematik berichteten als ihre Klassenkameraden. Allerdings zeigten sich in den Daten auch Hinweise auf eine „Abwärtsspirale“ bei diesen Teilnehmern: Denn negative Emotionen im Zusammenhang mit dem Fach führten wiederum zu schlechteren Leistungen – und entsprechend wieder zu mehr unguten Gefühlen.

Positive Emotionen unterstützen

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, empfehlen die Forscher Eltern und Lehrern darauf zu achten, positive Emotionen von Schülern zu stärken: Diese sollten Gelegenheiten für Erfolgserlebnisse in Mathematik haben – möglich etwa durch die Bewertung des individuellen Lernfortschritts. Für Mädchen gelte das besonders: Denn diese hatten in der Studie über weniger Freude, aber mehr Angst- und Schamgefühle berichtet als Jungen – selbst wenn sie dieselben Leistungen erbrachten.

Nutzen der Mathematik als Motivator

Einen relativ einfachen Weg, Schülern mehr Spaß an Mathematik und Motivation für das Lernen in diesem Fach zu vermitteln, hatten Wissenschaftler der Universität Tübingen erprobt: Den Ergebnissen ihrer Studie „Motivationsförderung im Mathematikunterricht“ (MoMa) zufolge verändern sich die Sichtweise auf das Fach und die Leistungen nachhaltig zum Positiven, wenn man den vielseitigen Nutzen von Mathematik verdeutlicht – am besten durch Gleichaltrige oder junge Erwachsene.

Literatur

Pekrun, R., Lichtenfeld, S., Marsh, H.W., Murayama, K. & Goetz, T. (in press). Achievement emotions and academic performance: A longitudinal model of reciprocal effects [Abstract]. Child Development.

Gaspard, H., Dicke, A.-L., Flunger, B., Brisson, B.M., Häfner, I., Nagengast, B. et al. (2015). Fostering adolescents’ value beliefs for mathematics with a relevance intervention in the classroom. Developmental Psychology, 51 (9), 1226–1240.

9. März 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Symbolfoto: © lassedesignen – Fotolia.com

 

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