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Faire Ungleichheit

Eine Studie der Universität Konstanz zu geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden belegt eine gesellschaftliche Verankerung der Ungleichheit.

Faire Ungleichheit |

Obwohl sich die Gehälter von Männern und Frauen langsam angleichen, besteht hierzulande immer noch ein durchschnittlicher Lohnunterschied von 21 Prozent (Statistisches Bundesamt). Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und im Niedriglohnsektor und haben seltener Führungspositionen inne – was einen großen Teil der Gehaltsdifferenz erklärt. Doch auch bei vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation bleibt ein Unterschied von etwa sieben Prozent bestehen.

Gehälter als fair oder ungerecht eingestuft

Diese Lohnlücke, die sogenannte bereinigte „Gender Pay Gap“ stellten Wissenschaftler der Universität Konstanz nun in den Fokus einer Studie. In einer Umfrage ließen sie rund 1.600 Teilnehmer über 26.000 Profile von fiktiven Arbeitnehmern einschätzen: Anhand von Angaben zu Geschlecht, Erfahrung und Qualifikation sollten die Probanden einstufen, ob das jeweilige Gehalt fair, ungerecht hoch oder ungerecht niedrig war.

Weniger Lohn für Frauen als fair angesehen

Obwohl sich vorab alle Teilnehmer der Studie explizit für gleiche Bezahlung für gleiche Leistung ausgesprochen hatten, wurde Frauen bei gleicher Qualifikation weniger Geld zugeteilt als Männern: Lohnunterschiede von sieben bis neun Prozent wurden als fair angesehen. Bemerkenswert war dabei, dass die Ergebnisse geschlechtsübergreifend waren: Sowohl Männer als auch Frauen empfanden es als gerecht, wenn Frauen schlechter entlohnt wurden.

Normative Kraft des Bestehenden

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Ergebnis, das der Einstellung zum Thema Lohngleichheit widerspricht, auf die normative Kraft der bestehenden Verhältnisse zurückzuführen ist: Die Befragten seien schlicht an die stark gesellschaftlich verankerte ungerechte Vergütung gewöhnt – und griffen bei der Bewertung von fairen Lohnverhältnissen auf ihre persönlichen Erfahrungen zurück.

Literatur

Auspurg, K., Hinz, T. & Sauer, C. (2017). Why should women get less? Evidence on the gender pay gap from multifactorial survey experiments. American Sociological Review, 82 (1), 179–210.

13. April 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth

 

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