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Interdisziplinäres Behandlungskonzept als Basis für eine erfolgreiche Therapie

Ganzheitliche Therapiekonzepte, Selbsterfahrung und Betroffenen-Mitbestimmungssysteme – darum ging es beim 3. Tag der offenen Tür in der Heiligenfeld Klinik Berlin*. Der Deutsche Psychologen Verlag war dabei.

Interdisziplinäres Behandlungskonzept als Basis für eine erfolgreiche Therapie |

Aus einer Stereoanlage klingt Ludovico Einaudi. Verträumte Klaviermusik, hypnotische Tonkaskaden, die Emotionen freisetzen sollen. „Bewegen Sie sich so, wie die Musik Sie tragen würde. Stellen Sie sich vor, Sie seien eine Seerose, die von leichten Wellen bewegt wird“, sagt Lara Pietzko und schmunzelt. Ein weniger pathetisches Beispiel sei ihr bisher nicht eingefallen. Die Leiterin der Kreativtherapien gibt ein Exempel ihrer „Bodyflow“-Meditation.

Das Team der Heiligenfeld Klinik in Berlin-Biesdorf hat am Tag der offenen Tür ein Ziel: Besuchern und Besucherinnen einen Eindruck von den vielfältigen Therapiebausteinen vermitteln, die in der multimodalen Psychotherapie in der Klinik – etwa bei der Behandlung von Angsterkrankungen, Depressionen oder Traumafolgestörungen – zum Einsatz kommen.

TeddyPietzkos Metapher kommt an. Versunken in sich selbst tanzen die Besucherinnen und Besucher so, wie ihre Intuition das vorgibt; die meisten haben die Augen geschlossen.

Acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen mit. So viele wie im Klinikalltag. „Zu groß sollten die Therapiegruppen nicht sein“, betont Iris Genc, Oberärztin der Klinik, beim Klinikrundgang. Sie führt die Besucherinnen und Besucher durch die langen Gänge des grundsanierten denkmalgeschützten Gebäudes und erklärt: „Eine wesentliche Frage ist hier: Wie schaffe ich es aus dem Alltagstrott heraus?“ Die Heiligenfeld Klinik setzt auf ein interdisziplinäres Therapieangebot.

Pinsel„Kreativtherapie“ ist beispielsweise der Oberbegriff für verschiedene Therapieformen: Körpertherapie, Musiktherapie und Kunsttherapie. Daneben gibt es die klassischen Einzelgespräche und Gruppentherapien und ein Kliniksetting, das zur Heilung beitragen soll. Als Teil des ganzheitlichen Therapieangebots der Klinik ist es Patientinnen und Patienten sogar gestattet, ihr Haustier mitzunehmen.

Während die Musik leise ausklingt, durchzieht ein zufriedenes Seufzen den Raum. Lara Pietzko hat selbst bei der Übung mitgemacht und erkundigt sich, was diese bei den Teilnehmenden ausgelöst habe. „Ich hatte das Gefühl, dass ich im Grünen war“, sagt eine Frau. „Mir fiel es schwer, mich gehen zu lassen, aber es war eine sehr interessante Erfahrung“, meint eine andere. Das Ziel dieser Übung scheint erreicht: Gefühle ohne Worte auszudrücken, einen inneren Zugang zu sich selbst zu finden.

Sven Steffes-Holländer, der Chefarzt der Klinik, erläutert deren Arbeitsweise. Das Team verstehe die Klinik als einen Ort der Heilung und Linderung von Krankheiten. „Menschen brauchen Sinn, und Symptome brauchen auch einen Sinn, sonst ist es hochgradig beängstigend für die Betroffenen. Das Wichtigste ist, dass diese ein Erklärungsmodell für ihre Probleme haben.“ Um ein solches Erklärungsmodell zu generieren und um zu lernen, wie man mit Problemen umgehen kann, gibt es ein etwa 20- bis 30-stündiges Therapieangebot pro Woche. In der Regel bleiben Patientinnen und Patienten zwischen zwei und 18 Wochen in der Klinik.

Das ganzheitliche Konzept führt soweit, dass sich ein Betroffenen-Mitbestimmungssystem etabliert hat, das heißt die Patientinnen und Patienten bilden einen Rat mit einer Sprecherin bzw. einem Sprecher, stimmen über verschiedenste Dinge ab und nehmen so Einfluss auf die Entscheidungen der Klinikleitung.

Die Beziehung der Patientinnen und Patienten untereinander ist ein zusätzlicher Faktor, der zur Heilung beiträgt. Eine ehemalige Heiligenfeld-Patientin erzählt: „Es hat mir unglaublich viel Kraft gegeben hier zu erleben, dass ich mit meinen Ängsten und Sorgen nicht alleine dastehe.“ Der Zusammenhalt wurde so stark, dass sich eine Gemeinschaft herausgebildet hat. Heute treffen sich die ehemaligen Patientinnen und Patienten regelmäßig und helfen sich nach wie vor gegenseitig dabei, mit ihren Problemen umzugehen.

Clemens Sarholz

*Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen einer Medienkooperation zwischen der Deutschen Psychologen Verlag GmbH und der Heiligenfeld GmbH.

Weiterführende Informationen

www.heiligenfeld.de

5. September 2018
Fotos: © Deutscher Psychologen Verlag GmbH 

 

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