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Frauen in Führungspositionen

Werden Frauen typischerweise dann in Führungspositionen berufen, wenn es dem Unternehmen schlecht geht, sodass die Gefahr ihres Scheiterns hoch ist? Dieser Frage nach prekären Führungssituationen geht eine Studie von Prof. Dr. Christina E. Bannier, Professur Banking & Finance am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Prof. Dr. Myriam Bechtoldt, Universität für Wirtschaft und Recht EBS, Oestrich-Winkel, und Björn Rock, M.Sc., JLU, nach. Die Studie mit dem Titel „The Glass-Cliff Myth – Evidence from Germany and the UK“ ist jetzt im Fachmagazin „The Leadership Quarterly” erschienen.

Frauen in Führungspositionen |

Wie ist es um Frauen in Vorstandspositionen bestellt?

Anekdoten, die immer wieder verbreitet werden, legen durchaus nahe, dass Frauen gerade dann Führungsaufgaben übernehmen würden, wenn die Aussichten eher düster seien: Als Beispiele seien Marissa Mayer, frühere Vorstandsvorsitzende von Yahoo, oder auch Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, genannt. Wieviel Wahrheit steckt dahinter? Was hat es mit der Beförderung von Frauen auf unsichere Positionen auf sich? Gibt es tatsächlich eine „gläserne Klippe“, an der Frauen vermehrt scheitern oder zum Scheitern verurteilt sind? Oder handelt es sich vielmehr um einen Mythos? Und – vor allem – wie ist es generell um Frauen in Vorstandspositionen bestellt? Diesen Fragen ist das Team um Prof. Bannier und Prof. Bechtoldt nachgegangen.

Der Begriff der „gläsernen Klippe“ („glass cliff“) geht auf eine Studie zurück, die die Ernennungen in Vorstandspositionen britischer Unternehmen im Jahr 2005 analysierte und diese mit der Geschäftsentwicklung der Firmen abglich. Die Autoren Ryan und Haslam kamen zu dem Ergebnis, dass in der Tat Unternehmen mit einer negativen Geschäftsentwicklung häufiger Frauen als Männer in Vorstandsämter beriefen.

Börsennotierte Unternehmen in Deutschland und Großbritannien untersucht

Die ergänzende Studie von Bannier, Bechtoldt und Rock greift die Fragestellung jetzt neu auf und untersucht Daten aus Deutschland und Großbritannien über einen Zehnjahreszeitraum (2005–2015). In beiden Ländern werden die jeweils größten börsennotierten Unternehmen betrachtet. Anhand unterschiedlicher Analysemethoden, die darauf ausgerichtet sind, nicht nur bloße korrelationale Zusammenhänge, sondern Kausalitäten herzuleiten, kann das Autorenteam zeigen, dass die „gläserne Klippe“ für die untersuchten Unternehmen keine Rolle zu spielen scheint. Im Gegenteil: „Deutsche Unternehmen weisen vor der Ernennung von Frauen in Vorstandspositionen sogar eine im Durchschnitt etwas bessere Geschäftsentwicklung auf als vor der Ernennung von Männern“, sagt Bannier. Interessanterweise reagiere der Finanzmarkt jedoch – selbst in Bezug auf die wenigen Unternehmen mit schlechter Geschäftsentwicklung – auf die Ernennung von Frauen besonders positiv. Ein solcher Wechsel im Management scheine somit von Investorenseite durchaus Unterstützung zu finden.

Weniger als acht Prozent der Vorstands-Ernennungen sind auf Frauen entfallen

Das Fazit des Autorenteams aus Gießen und Oestrich-Winkel fällt dennoch keinesfalls einhellig positiv aus: „Obwohl unsere Studie das positive Ergebnis zutage gebracht hat, dass Frauen nicht einem übermäßigen Risiko prekärer Führungspositionen ausgesetzt zu sein scheinen, haben uns vor allem die geringen ,Fallzahlen‘ im negativen Sinne überrascht“, resümiert Prof. Bannier. Denn von über 500 Vorstands-Ernennungen in Deutschland im betrachteten Zeitraum seien weniger als acht Prozent auf Frauen entfallen. Zudem habe keine einzige Frau in den untersuchten Unternehmen den Vorstandsvorsitz eingenommen. Selbst in Großbritannien sehe das Bild nur wenig besser aus, so die Wirtschaftswissenschaftlerin: Unter den gut zehn Prozent der weiblichen Neuberufenen auf Vorstandposten finden sich dort nur drei Vorstandsvorsitzende. „Es bleibt zu hoffen, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft möglicherweise im Rahmen einer weiteren Studie ein ganz anderes Bild von Frauen in Vorstandspositionen zeichnen lässt – bei der Liste der Frauen in Vorständen ist jedenfalls noch viel Luft nach oben.“

Weiterführende Informationen

Bechtoldt, M. N., Bannier, C. E. & Rock, B. (2018). The glass cliff myth? – Evidence from Germany and the U.K., The Leadership Quarterly (im Druck). www.doi.org/10.1016/j.leaqua.2018.11.004

29. Januar 2019
Quelle: The Leadership Quarterly

Symbolfoto: © Pexels.com

 

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