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Das Gehirn profitiert von digitalen Unterstützungssystemen

Psychologen und Wirtschaftsinformatiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben untersucht, wie digitale Informationssysteme die tägliche Arbeit unterstützen und warum es gut sein kann, bestimmte Dinge zu vergessen. Ihre Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Ergonomics“ veröffentlicht.

Das Gehirn profitiert von digitalen Unterstützungssystemen |

Relevante von irrelevanten Informationen unterscheiden

Die Menge an Informationen und Daten, mit denen viele Menschen an ihrem Arbeitsplatz täglich konfrontiert sind, hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Globalisierung und Digitalisierung lassen die Komplexität von Geschäfts- und Arbeitsprozessen stetig ansteigen: Was heute aktuell ist, kann morgen schon wieder überholt sein. Das hat zur Folge, dass Entscheidungsträger stetig relevante von irrelevanten Informationen unterscheiden müssen.

Dabei erhalten sie häufig Unterstützung durch digitale Informationssysteme. Moderne Organisationen, Betriebe und Verwaltungen nutzen diese Systeme beispielsweise für Geschäftskalkulationen, Produktentwicklungen und Marketingkonzepte. Doch wie wirken sich die Hilfsmittel auf die Anwender aus? Werden sie dadurch weniger gefordert? Im Gegenteil, sagen Psychologen und Wirtschaftsinformatiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Die Fähigkeit, Dinge zu vergessen, macht Menschen erst handlungsfähig – den Einzelnen ebenso wie ganze Organisationen. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Ergonomics“ veröffentlicht.

Simulation von typischen Geschäftsprozessen in Produktionsunternehmen

Das Team um Guido Hertel, Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Prof. Dr. Jörg Becker vom Institut für Wirtschaftsinformatik der WWU simulierte typische Geschäftsprozesse in Produktionsunternehmen, bei denen Personen wiederholt entscheiden mussten, in welche fiktiven Länder die Produkte ihres Unternehmens zum Verkauf verschickt werden sollten. Die Ergebnisse zeigten: Die Verfügbarkeit unterstützender Informationssysteme führte nicht nur zu ökonomisch besseren Entscheidungen, sondern setzte auch kognitive Kapazitäten der Nutzer frei. Die Untersuchungsteilnehmer behielten Details zu anderen Produkten des Unternehmens besser im Gedächtnis als Personen in der Kontrollgruppe, die ohne Systemunterstützung Entscheidungen trafen – und deshalb mehr Informationen im Gedächtnis behalten mussten. Außerdem berichteten die Teilnehmer, die das Informationssystem nutzen konnten, weniger Stress bei der Bearbeitung der schwierigen Aufgaben verspürt zu haben.

Vertrauen in Informationssysteme als Voraussetzung

Das Vergessen fällt jedoch vielen Entscheidern nicht immer leicht. „Zentrale Voraussetzung dieser positiven Effekte war, dass die Versuchspersonen dem Informationssystem vertrauten - nur dann waren deutliche Leistungsgewinne zu beobachten“, betont Guido Hertel. Dies Vertrauen resultierte aus technischer Zuverlässigkeit und der Qualität der bereitgestellten Informationsinhalte. „Überraschend war für uns, dass das Vertrauen in Informationssysteme durch viele verschiedene Einflussfaktoren bestimmt wurde, für das Entstehen von Misstrauen dagegen bereits eine Kleinigkeit ausreichte, zum Beispiel ein einmaliges technisches Problem“, erläutert Guido Hertel. Die Ergebnisse der Studien liefern seines Erachtens ein erstes Modell für die Gestaltung vertrauenswürdiger und damit effektiver Informationssysteme.

Weiterführende Informationen

Hertel, G., Meeßen, S. M., Riehle, D., Thielsch, M. T., Nohe, C. & Becker, J. (2019). Directed forgetting in organisations: The positive effects of decision support systems on mental resources and well-being. Ergonomics. DOI 10.1080/00140139.2019.1574361

12. März 2019
Quelle: Ergonomics
Symbolfoto: © rawpixel – unsplash.com

 

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