Haben Sie noch Fragen?

Ihr direkter Kontakt zum Verlag:
verlag@psychologenverlag.de
Telefon: (030) 209 166 410
Sie erreichen uns montags bis donnerstags von 9:00 – 17:00 Uhr und freitags von 9:00 – 13:00 Uhr.

Nachrichten

Soziale Anerkennung schlägt Geld

Schadet eine Lüge dem Status, verzichten Menschen eher auf finanzielle Vorteile. Menschen sind ehrlicher, wenn sie über Wissensbereiche mit hohem gesellschaftlichen Ansehen sprechen. Das gilt auch dann, wenn sie einen finanziellen Anreiz haben zu lügen, zeigt eine neue Studie aus der Verhaltensökonomie. Vertrauensfragen werden in der Wirtschaft wichtiger, wenn Expertise über immer komplexere Technologien immer schwieriger zu überprüfen ist. Kunden wollen, dass eine Verkäuferin ehrlich über ein kompliziertes Hightech-Produkt informiert. Doch die Verkäuferin könnte die Nachteile des Produkts leugnen, um eine Verkaufsprovision zu erhalten.

Soziale Anerkennung schlägt Geld |

Studie mit rund 190 Testpersonen durchgeführt

In welchen Situationen können wir unseren Mitmenschen vertrauen, obwohl sie durch Lügen einen finanziellen Vorteil erzielen könnten? Das untersuchten Professor Michael Kurschilgen von der Technische Universität München und vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und Isabel Marcin von der Universität Heidelberg mit rund 190 Testpersonen.

Die Teilnehmenden bekamen Multiple-Choice-Wissensfragen vorgelegt, zum Beispiel: „In die Botschaft welches Landes flüchtete Julian Assange?" Sie waren in zwei Gruppen aufgeteilt: Sender und Empfänger. Die Sender sahen neben der Frage vier Antwortmöglichkeiten und empfahlen den Empfängern eine Antwort. Die Empfänger sahen nur die Frage und die Empfehlung eines Senders. Während die Empfänger drei Euro für jede richtige Antwort bekamen, verdienten die Sender drei Euro für jede falsche Antwort der Empfänger. Die Sender hatten so einen finanziellen Anreiz zu lügen. Der Test bestand für eine Hälfte der Teilnehmenden aus Fragen zum Allgemeinwissen etwa zu Geschichte, Geographie, Kunst und Politik. Die andere Hälfte bekam Fragen zu TV-Serien, Werbespots und Promi-Klatsch, zum Beispiel: „In welchem Land wurde Irina Shayk, die Ex-Freundin des Fußballstars Cristiano Ronaldo geboren?“ In einer Vorstudie hatten Kurschilgen und Marcin Fragen ermittelt, bei denen der durchschnittliche Wissensstand für beide Kategorien mit 63 Prozent identisch war.

Großer Wunsch nach sozialer Anerkennung

Wären alle Sender immer ehrlich, würden sie zum Allgemeinwissen genauso viele richtige Antworten empfehlen wie zu den anderen Fragen. Im Experiment zeigte sich jedoch: Bei Fragen zu Fernsehen und Klatsch wurden 32 Prozent zutreffende Antworten vorgeschlagen. Beim Allgemeinwissen gaben die Sender dagegen für 46 Prozent der Fragen eine korrekte Empfehlung. „Wenn die Testpersonen signalisieren konnten, dass sie sich in Wissensbereichen mit hohem Renommee gut auskennen, war vielen ihr Image wichtiger als das Geld, das sie verdienen konnten“, sagt Kurschilgen. „Das Experiment zeigt, dass der Wunsch nach sozialer Anerkennung finanzielle Anreize, zu lügen, überwinden kann.“ Dass Wissen aus Geschichte, Kultur und Politik tatsächlich einen höheren Status hat als die anderen Themen, bestätigte das Forschungsteam in einer ergänzenden Studie.

Verhaltensökonomen forscht zu intrinsischen Einflussfaktoren

Intrinsische Einflussfaktoren auf das Verhalten zu identifizieren, also Motive, die nicht materiell sind, ist ein aktueller Schwerpunkt in der Verhaltensökonomie. „Produkte und Prozesse werden aufgrund der technologischen Entwicklung immer komplexer. Sie erfordern viel Fachwissen, das schwer zu überprüfen ist. Deshalb wird Vertrauen im Wirtschaftsleben noch wichtiger“, erklärt Isabel Marcin. „Finanzielle Anreize, nicht zu lügen, funktionieren nur, wenn die Aussagen überprüfbar sind. Es kommt also stärker denn je darauf an, ob es einen eigenen Antrieb gibt, ehrlich zu sein.“

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier

14. Januar 2020
Quelle: Technische Universität München
Symbolfoto: © Christina Morillo – pexels.com

 

« zurück

Literatur zum Thema