Haben Sie noch Fragen?

Ihr direkter Kontakt zum Verlag:
verlag@psychologenverlag.de
Telefon: (030) 209 166 410
Sie erreichen uns montags bis donnerstags von 9:00 – 17:00 Uhr und freitags von 9:00 – 13:00 Uhr.

Nachrichten

Vergiftet der Kampf um Boni das Arbeitsklima?

Psychologen der Universitäten Hamburg und Maastricht (Niederlande) untersuchten die Kollateraleffekte von Bonussystemen in Organisationen.

Vergiftet der Kampf um Boni das Arbeitsklima? |

Leistungsbasierte Bonussysteme („Pay-for-Performance-Systeme“) haben sich in vielen Branchen erfolgreich etabliert und gelten als besonders effektives Mittel zur Steigerung der Motivation. Das Prinzip: Mitarbeiter erhalten, wenn sie bestimmte vorher festgelegte Ziele erreichen, finanzielle Boni. Ein guter Plan, wäre da nicht die Befürchtung, dass eine solche Praxis auch Konkurrenzdenken und Ellenbogenmentalität unter den Angestellten befördern könnte. Inwiefern leistungsbasierte Bonussysteme tatsächlich unschöne Begleiterscheinungen haben, betrachtete nun eine aktuelle Studie von Psychologen der Universitäten Hamburg und Maastricht (Niederlande) sowie der Kühne Logistics University.

Blick auf mögliche negative Konsequenzen

In einer branchenübergreifenden Querschnittsstudie mit insgesamt 250 befragten Arbeitnehmern und zwei Experimenten mit 92 bzw. 192 Teilnehmern wurde ein Blick auf die negativen Konsequenzen für den einzelnen Mitarbeiter und die Gesamtorganisation geworfen. Eine weitere wichtige Rolle spielte im Versuch die Wechselwirkung zwischen dem Einsatz von „Pay-for-Performance-Systemen“ und der Persönlichkeit der Beschäftigten.

Mehr Wettbewerb und Konkurrenzdenken

Tatsächlich zeigte sich in der Analyse der Daten, dass Bonussysteme das Verhalten am Arbeitsplatz nicht nur in der gewünschten, leistungssteigernden Weise beeinflussten: Sie förderten zudem soziale Vergleiche und Wettbewerb und führten zum Teil sogar zu aggressivem Verhalten der Mitarbeiter. Dies galt insbesondere für Personen, deren individuelles Profil ohnehin durch Konkurrenzdenken geprägt war: Teilnehmer, die sich selbst als besonders wettbewerbsorientiert beschrieben, sprachen besonders stark auf die Reize der Bonussysteme an.

Eine Frage der Unternehmenskultur

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die so weit gehen könne, dass sich Kollegen untereinander aktiv schaden. Dieser Wettbewerb müsse nicht einmal im System angelegt sein: Es reiche aus, dass Mitarbeiter sich automatisch mehr mit anderen verglichen und ein Wettbewerbsklima empfänden. Insbesondere in Unternehmen, deren Erfolg von Wissensaustausch, Innovation und guter kollegialer Zusammenarbeit der Mitarbeiter und Führungskräfte abhänge, sei ein solch aggressiver Wettbewerb unerwünscht und könne langfristig negative wirtschaftliche Folgen für die gesamte Organisation haben. Die Autoren empfehlen, mögliche Konflikte zwischen kurzfristigen ökonomischen Zielen und der langfristig angestrebten Unternehmenskultur genau abzuwägen.

Literatur

Gläser, D., van Gils, S. & Van Quaquebeke, N. (2017). Pay-for-Performance and interpersonal deviance: Competitiveness as the match that lights the fire [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 16, 77–90.

10. August 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 
Symbolfoto: © Marco2811 – Fotolia.com

 

« zurück

Literatur zum Thema