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Neue Arbeitszeitmodelle braucht auch der Mittelstand

Eine flexible und innovative Arbeitszeitgestaltung birgt Chancen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und verbessert die Arbeitgeberattraktivität für Fachkräfte. Das gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dennoch sind es im Moment vor allem große Firmen, die flexible Arbeitszeiten und -orte ermöglichen und damit für Bewerber attraktiv erscheinen. Mit den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten befasst sich eine Literatur-Studie, die das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) für die Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat.

Neue Arbeitszeitmodelle braucht auch der Mittelstand |

KMU verfügen bereits über Voraussetzung für flexible Arbeitszeiten

Die Psychologin Roda Müller-Wieland und ihre Kollegin, die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Katharina Hochfeld, haben im Verlauf ihrer Untersuchung herausgefunden, dass KMU bereits über Potenziale und Voraussetzungen verfügen, um Arbeitszeit flexibel und selbstbestimmt zu gestalten. Ihre Entscheidungswege seien kürzer, ihre Strukturen flexibler, und sie könnten rascher reagieren, so Roda Müller-Wieland. Die Gründe für ein eher zögerliches Vorgehen in KMU sieht die Psychologin unter anderem in unzureichendem Wissen über Gesetze, Arbeitszeitmodelle und Einführungsprozesse sowie über den damit verbundenen organisatorischen und finanziellen Aufwand bei der Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle. „Eine weitere wesentliche Schwierigkeit besteht darin, dass es bisher keine bedarfsgerechten Modelle und passgenauen Implementierungsprozesse für KMU gibt.“

Praxisnahe Lösungsansätze bereits entwickelt

Ein erster Schritt um das zu ändern sei inzwischen erfolgt. Mithilfe designbasierter Methoden erarbeiteten Vertreter und Vertreterinnen aus KMU, Wissenschaft, Politik, Stiftung und Gewerkschaft praxisnahe Lösungsansätze zur erfolgreichen Implementierung selbstbestimmter und flexibler Arbeitszeitmodelle. In heterogenen Teams wurden sechs Konzepte entwickelt, um die avisierte Zukunftsvorstellung der Arbeit im Jahr 2025 zu erreichen. Dabei wurde deutlich: In Zukunft müssen personelle Ressourcen effizienter genutzt werden, indem die Bedarfe der verschiedenen Seiten in Unternehmen miteinander abgeglichen werden – beispielsweise mithilfe eines digitalen Matching-Tools. KMU könnten sich zudem – abhängig von Region und Branche – Ressourcen teilen, beispielsweise Werkshallen oder Beschäftigte mit ähnlichen Kompetenzen. Sehr deutlich wurde der Bedarf nach größerer Vernetzung unter den KMU. Alle Akteure – Belegschaft, Arbeitgeber, Betriebsrat, aber auch Politik und Gesellschaft – müssten bei der Entwicklung und Einführung von Tools und Arbeitszeitkonzepten frühzeitig einbezogen werden, um Hindernisse zu überwinden und erfolgreiches Funktionieren zu gewährleisten.

Um die Potenziale der mittelständischen Unternehmensstrukturen und -bedingungen bestmöglich nutzen zu können und einen genaueren Blick auf die Bedarfe und Hindernisse zu erhalten, empfiehlt Müller-Wieland Forschungsprojekte unter Einbeziehung von Akteuren aus KMU im Sinne eines co-kreativen Begriffsverständnisses von Bürgerwissenschaft. Für ein erfolgversprechendes methodisches Vorgehen hält die Psychologin eine breit angelegte qualitative Befragung, kombiniert mit leitfadengestützten Interviews.

Weiterführende Informationen

Müller-Wieland, R. & Hochfeld, K. (2017). (Arbeits)Zeit zu gestalten! Potenziale flexibler und selbstbestimmter Arbeitsmodelle in KMU. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft. Verfügbar unter: http://library.fes.de/pdf-files/dialog/13981.pdf

6. März 2018
Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung
Symbolfoto: © Pexels.com

 

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