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Psychologische Deutschlandkarte liefert ökonomisch relevante Informationen

Vorurteile über Bewohner von Großstädten einerseits und Dörfern andererseits, über Nord- und Süddeutsche, ost- und Westdeutsche gibt es einige. Wissenschaftler der Universität Jena sind Persönlichkeitsmerkmalen und Migrationsmustern nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Studie werden die Forschenden in der Fachzeitschrift „Psychologische Rundschau“ vorstellen.

Psychologische Deutschlandkarte liefert ökonomisch relevante Informationen |

Daten von über 73.000 Personen analysiert

Für ihre „psychologischen Landkarten“ analysierten die Wissenschaftler Daten von über 73.000 Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. (http://de.outofservice.com/bigfive/). „Die Forschung zu kulturellen Unterschieden von Regionen hat dank solcher großen Datensätze in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte gemacht, so dass wir nun zum ersten Mal psychologische Landkarten für Deutschland erstellen und auswerten können“, sagt Prof. Dr. Michael Fritsch, der gemeinsam mit seinem Kollegen PD Dr. Michael Wyrwich an der Universität Jena zu dem Thema forscht. „Im Fokus unserer Arbeit standen dabei die sogenannten Big Five. Dabei handelt es sich um fünf Persönlichkeitsmerkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben und mit denen sich die Persönlichkeitsstruktur eines erwachsenen Menschen umfassend beschreiben lässt“, erläutert Prof. Dr. Martin Obschonka von der Queensland University of Technology.

Diese fünf Persönlichkeitsmerkmale sind: Extraversion, also eine nach außen gewandte, aktive und gesellige Haltung, Verträglichkeit im Sinne von Kooperationsbereitschaft und Altruismus, Gewissenhaftigkeit, d. h. eine organisierte, sorgfältig planende und zuverlässige Haltung, Offenheit für neue Erfahrungen, die durch rege Fantasie, Wissbegierde und eine Vorliebe für Abwechslung gekennzeichnet ist sowie Neurotizismus (geringe emotionale Stabilität), also einer Tendenz zu Angst, Nervosität und Unsicherheit.

Regionale Unterschiede

Betrachtet man nun die Ausprägungen der Eigenschaften auf der Landkarte, so ergeben sich – trotz großer Vielfalt – einige charakteristische Profile, die gängige Vorurteile teilweise bestätigen. So kann man etwa herauslesen, dass Süddeutsche und die Bewohner großer Städte, wie Berlin, Hamburg oder München, stärker nach außen gewandt sind als etwa die Menschen an der Küste.

Ein ähnliches Gefälle zeigt sich auch zwischen Ost- und Westdeutschland, was das Bild vom introvertierten Ostdeutschen und dem eher extrovertierten Westdeutschen bestätigt. Die Verträglichkeit ist in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise weniger ausgeprägt als im südlichen Bayern, im Südwesten Deutschlands rund um Freiburg sowie auch im westlichen Sachsen-Anhalt.

Im Gegensatz dazu erreichen die Bewohner der Mecklenburger Seenplatte beispielsweise höhere Werte bei der Gewissenhaftigkeit – anders als beispielsweise die Region rund um die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart.

Auch sind Menschen in Südwestdeutschland im Durchschnitt emotional stabiler als in Südthüringen oder in der Gegend um Bremerhaven. „In der Regionalverteilung von Neurotizismus in Deutschland sind wir auf eine Zweiteilung Deutschlands gestoßen, die überraschend klar der historischen Limes-Linie entspricht – mit niedrigeren Werten südlich des Limes. Dort weisen die Menschen also eine emotional stabilere Persönlichkeit auf, was mit Wohlbefinden und psychologischer Resilienz in Verbindung steht“, erläutert Fritsch.

Und generell gilt auch: Landbewohner weisen ein geringeres Maß an Offenheit für neue Erfahrungen auf als Städter. Als besonders offen haben sich die Menschen in Berlin und in den Metropolregionen um Hamburg, Köln, aber auch Leipzig und Dresden herausgestellt.

Weitere Forschung zu ökonomisch relevanten Informationen geplant

Warum sich diese Eigenschaften abhängig von der Region unterschiedlich ausprägen, lässt sich durch die Studie nicht beantworten. „Trotzdem lassen sich aus den Ergebnissen durchaus ökonomisch relevante Informationen ableiten. Wenn wir uns beispielsweise die vorherrschenden Persönlichkeitseigenschaften in einer Region mit besonders hohen Gründerzahlen anschauen, dann lernen wir beispielsweise etwas über besonders unternehmerisch geprägte Persönlichkeitsstrukturen.“ Solche und andere Analysen wollen die Jenaer Forscher nun auf Basis ihrer „psychologischen Deutschlandkarte“ weiter vorantreiben.

Weiterführende Informationen

Obschonka, M., Wyrwich, M., Fritsch, M., Gosling, S. D., Rentfrow, P. J. & Potter, J. (im Druck). Von unterkühlten Norddeutschen, gemütlichen Süddeutschen und aufgeschlossenen Großstädtern: Regionale Persönlichkeitsunterschiede in Deutschland, Psychologische Rundschau.

16. Oktober 2018
Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Symbolfoto: © pixabay.com

 

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