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Humor als Ressource bei der Bewältigung von Arbeitsbelastungen

Einer in Deutschland weit verbreiteten Meinung zufolge gehört Humor in die Freizeit und nicht an den Arbeitsplatz. Zu Unrecht, wie jetzt eine Studie von Dr. Daniel Putz und Katharina Breuer von der Rheinischen Fachhochschule Köln zeigt. Katharina Breuer wurde von der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung dafür mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Humor als Ressource bei der Bewältigung von Arbeitsbelastungen |

Was kann eine Führungskraft tun, damit Mitarbeitende Humor funktional einsetzen?

In der Studie wird der Einfluss von selbstaufwertendem und affiliativem (sozialem) Humor von Mitarbeitenden und Führungskräften auf das Stresserleben unter Arbeitsbelastung untersucht. „Nachdem zu Humor als Copingstrategie im Umgang mit Stress bereits mehrfach geforscht, aber selten zwischen Humorarten differenziert wurde, wollten wir die Wirkung unterschiedlicher Humorstile näher betrachten“, so Dr. Daniel Putz. Zudem wurde in früheren Studien der Fokus häufig auf die Mitarbeitenden und ihre Art mit Stress umzugehen gelegt. Daniel Putz und Katharina Breuer interessierte deshalb das Zusammenspiel von Führungskräften und Beschäftigten sowie die Rolle, die unterschiedliche Humorstile dabei spielen können; z.B. die Frage: Was kann eine Führungskraft tun, damit Mitarbeitende Humor funktional einsetzen?

Selbstaufwertender Humor hilft beim Umgang mit Stress

Die erste Hypothese der Forschenden war, dass selbstaufwertender Humor Mitarbeitern beim Umgang mit Stress hilft. Diese Hypothese wurde durch die Studie bestätigt. Mit diesem Humor gelingt es Mitarbeitenden, sich von einer schwierigen Situation zu distanzieren, sie nicht zu ernst zu nehmen und vielleicht mit einem Augenzwinkern zu betrachten. „Führungskräfte, die diesen Humor  viel anwenden, haben positive Wirkung auch auf das Team und seinen Umgang mit Stress“, erklärt Daniel Putz.  Anders ging es den Forschenden mit ihrer zweiten Hypothese. Sie hatten erwartet, dass sich auch affiliativer Humor gut nutzen ließe, indem Beschäftigte mit Humor Hilfe einwerben und so unterstützt durch ihr Team besser mit Belastungen im Arbeitsalltag umgehen können. Dies hat sich kurzfristig nicht bestätigt. Alle Ergebnisse der Studie beruhen auf beobachteten Zusammenhängen, sie zeigen keine Kausalität. Diese hätte den Längsschnitt und eine Kontrollgruppe vorausgesetzt.

Humor als Führungsinstrument zur Förderung von Wohlbefinden und Leistung

Anders als erwartet zeigte der Humor der Führungskraft in der Untersuchung keinen direkten Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und Stresserleben der befragten Mitarbeitenden. Positive Zusammenhänge zwischen dem Humor von Führungskräften und ihren Angestellten weisen jedoch darauf hin, dass Führungskräfte als Rollenmodelle ihre Beschäftigten dazu anregen können, beobachtetes Humorverhalten anzuwenden. Humor kann demnach als Führungsinstrument zur Förderung von Wohlbefinden und Leistung beitragen.

Die Forschenden erklären sich das so: Der selbstaufwertende Humor ist eine Art Notfallstrategie. Menschen können diese zur eigenen Ermutigung nutzen, um eine gestellte Aufgabe mit Humor auch unter Zeitdruck zu bewältigen. Die Situation mit Humor und damit aus einer anderen Perspektive zu betrachten, entlastet offenbar direkt. „Der soziale Humor, der ja darauf basiert, dass andere Leute kommen und mir helfen, wird offenbar erst als nachgelagerte Strategie genutzt“, sagt Daniel Putz und räumt ein, dass längsschnittliche Untersuchungen zu einem anderen Ergebnis kommen könnten. Der Grund: Sozialer Humor entfaltet erst mit der Zeit Wirkung und führt eventuell schrittweise zu einem besseren Teamklima, was wiederum den Umgang mit Stress erleichtern könnte. Ganz kurzfristig wirkt dieser soziale Humor nicht.

Gezielte Befragung von Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Branchen

Die auf den ersten Blick bescheidene Datenbasis von 118 Befragten erweist sich bei näherer Betrachtung als weniger schmal, denn es wurden gezielt Mitarbeitende unterschiedlicher Branchen befragt und keine Studierenden. „118 sind keine extrem große Stichprobe, aber wir haben reale Daten im Feld gesammelt von Mitarbeitenden, die ihren konkreten Arbeitsalltag bewertet haben und auch ihre Führungskräfte.“ Beide Forschende hoffen bei weiterführenden Untersuchungen  auf die Klärung der Frage, ob man den sozialen Humor als Ressource schrittweise aufbauen und in Momenten nutzen kann, in denen der eigene Humor versagt und man es nicht mehr schafft, sich selbst in eine humorvolle Stimmung zu bringen. „Wenn sich das bestätigte, könnte so eine Ressource aufgebaut werden, die – wenn sie einmal besteht – wiederholt abgerufen werden kann. Das wäre dann eine Erweiterung des Ressourcenpools, wodurch ein flexibler Zugriff auf stressmindernde Ressourcen möglich würde.“

Humor als Teil einer konstruktiven und gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur wünschenswert

Putz beklagt, dass in Deutschland Humor und Arbeit von vielen für Gegensätze gehalten werden. Bei der Arbeit, so die vorherrschende Meinung, ist man ernsthaft und serös. „Das ist der Hauptgrund, warum Humor in diesem Land anders als z.B. in den USA nicht viel öfter als Copingstrategie benutzt wird. Offenbar besteht die Befürchtung, es würde einem unterstellt, man nehme seine Arbeit nicht ernst. Anders herum wird ein Schuh daraus: Ich nehme die Situation so ernst, dass ich den Stift wegen eines gerade aufgetretenen Problems oder einer andauernden Überlastung nicht einfach fallen lasse, sondern den Humor dafür nutze, die Situation handhabbar zu machen“, betont der Psychologe. Daran könne jeder für sich arbeiten, aber auch Unternehmen seien herausgefordert, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Humor nicht als Ablenkung oder Störung bei Arbeit gilt, sondern erlaubt und erwünscht ist – als Teil einer konstruktiven und gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur.

Weiterführende Informationen

Putz, D. & Breuer, K. (2017). The stress-reducing eff ect of employee‘s and supervisor‘s positive humor at work. Wirtschaftspsychologie, 19 (3), 39–50.

23. Oktober 2018
Quelle: Rheinische Fachhochschule Köln
Symbolfoto: © pexels.com

 

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