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Wenn Berufsalltag und Freizeit immer mehr verschwimmen

Berufsalltag und Freizeit verschwimmen dank der Kommunikationsmöglichkeiten heutzutage immer öfter. Viele Angestellte nehmen Anrufe entgegen und/oder beantworten Anfragen auch nach Feierabend oder am Wochenende. Einer Studie der Personalberatung Michael Page zufolge checken 65 Prozent der Beschäftigten ihre Mails nach Feierabend. Auch geschäftliche Anrufe würden von 49 Prozent entgegengenommen. 58 Prozent der Befragten geben an, die Erreichbarkeit liege in ihrer Verantwortung, 27 Prozent fühlen sich verpflichtet und bangen um ihr Ansehen, wenn sie nicht erreichbar sind; das unter anderem auch deshalb, weil Arbeitgeber zum Teil Diensthandys und Laptops zur Verfügung gestellt haben, die rein rechtlich jedoch nicht zu diesem Verhalten verpflichten.

Wenn Berufsalltag und Freizeit immer mehr verschwimmen |

Studie zu Folgen der ständigen Erreichbarkeit

Welche Folgen die ständige Erreichbarkeit für die Work-Life-Balance, das Zufriedenheitsgefühl und die Partnerschaft hat, war Gegenstand einer fast gleichzeitig veröffentlichten Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Ihr liegen die Angaben von 790 berufstätigen Paaren zugrunde. Der Analyse zufolge sind etwa 36 Prozent der leitenden Angestellten in den beobachteten Paaren mit arbeitsbezogenen Nachrichten in der Freizeit befasst. Unter den einfachen Arbeitern sind es sogar 38 Prozent. Nicht immer geschieht das aus freien Stücken, so Dr. Yvonne Lott, Forscherin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Sowohl unter den leitenden Angestellten als auch unter den einfachen Arbeitern geben rund 18 Prozent an, dass sie nach Feierabend verfügbar sein müssen oder sich zumindest dazu verpflichtet fühlen. Doch selbst in den Fällen, in denen Beschäftigte die Arbeit in ihrer Freizeit als „freiwillig“ und als nicht problematisch empfinden, kann sie zur Belastung für die ganze Familie werden. Denn auch beim Partner oder der Partnerin steigt die Unzufriedenheit.

Unzufriedener bei gefühlter Verpflichtung zur ständigen Erreichbarkeit

Interessanterweise sind diejenigen, die in der Freizeit arbeiten, vor allem dann unzufrieden, wenn sie das Gefühl haben, sie müssten erreichbar sein. Auf einer Skala, bei der 0 für minimale und 10 für maximale Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Job und Privatleben steht, erreichen Beschäftigte mit Firmenkontakt in der Freizeit lediglich den mittleren Wert 5,08, wenn sie glauben, zur Erreichbarkeit verpflichtet zu sein. Bei denen, die in der Freizeit grundsätzlich keinen Kontakt mit dem Unternehmen haben, liegt der Mittelwert dagegen bei 6,25. „Mehr als ein Punkt auf der Skala, das ist ein großer Unterschied durch einen einzelnen Faktor“, erklärt Yvonne Lott.

Beschäftigte, die nach Feierabend das Smartphone auf berufliche Nachrichten checken, aber das nach eigenem Empfinden nicht tun müssten, liegen in ihrer mittleren Zufriedenheit mit 6,11 näher an der Gruppe ohne Kontakt zur Arbeit, sind also vergleichsweise wenig gestresst. Dieses Verhalten wird in der Gesundheitsforschung auch als „interessierte Selbstgefährdung“ bezeichnet, schreibt Lott.

Unzufriedenheit auch bei Partnerin/Partner

Für den Partner oder die Partnerin ist es hingegen völlig egal, warum die oder der andere Mails beantwortet und Anrufe entgegen nimmt. Die Tatsache, dass er oder sie in der Freizeit arbeitet, senkt bei Partnerin oder Partner die Zufriedenheit mit der eigenen Work-Life-Balance, wie die Analyse zeigt. Die Verschlechterung liegt bei fast einem halben Punkt auf der Skala zwischen 0 und 10. Auch das ist ein statistisch signifikanter Effekt, betont die WSI-Forscherin – und ein deutliches Indiz dafür, dass mobile Arbeit in der Freizeit die Partnerschaft belasten kann.

Weiterführende Informationen

Lott, Y. (2018). Intra-Individual and Crossover Effects of Work Contact in Leisure Time on Satisfaction with Work-Life Balance, WSI Working Paper, 210. Hier online verfügbar.

Michael Page International (Deutschland) GmbH. (2018). Working Life. Hier online verfügbar.

11. Dezember 2018
Quellen: Hans-Böckler-Stiftung, Michael Page International (Deutschland) GmbH
Symbolfoto: © unsplash.com

 

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