Haben Sie noch Fragen?

Ihr direkter Kontakt zum Verlag:
verlag@psychologenverlag.de
Telefon: (030) 209 166 410
Sie erreichen uns montags bis donnerstags von 9:00 – 17:00 Uhr und freitags von 9:00 – 13:00 Uhr.

Nachrichten

Innovative Impulse zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Gemeinsam mit der „Charta der Vielfalt“ hat ein Team der TU München um Professorin Isabell Welpe, Leiterin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation, kürzlich die Studie „Kaleidoscope – Wie wir uns die Zukunft organisieren“ veröffentlicht. Die Studie soll dazu beitragen, die vielfaltigen Facetten des Arbeits- und Privatlebens besser zu kombinieren und auf neuartige Weise zusammenzubringen. Mehr als 450 Ideen aus Online-Recherchen und zahlreichen Interviews zeigen den Weg in die künftige Organisation der Lebens- und Arbeitswelt auf. Ende November 2018 stellte Prof. Isabell Welpe die Ergebnisse bei der Diversity-Konferenz in Berlin vor.

Innovative Impulse zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie |

Größte deutschsprachige Konferenz für Vielfalt in der Arbeitswelt

Über Herausforderungen und Chancen für das Diversity-Management aufgrund der immer stärker globalisierten Arbeitswelt diskutierten rund 400 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft bei der Diversity 2018, der größten deutschsprachigen Konferenz für Vielfalt in der Arbeitswelt. Die Diversity wurde Ende November 2018 in Berlin bereits zum siebten Mal von der „Charta der Vielfalt“ und dem Tagesspiegel veranstaltet.

Der Verein Charta der Vielfalt e.V. tritt als Arbeitgeberinitiative seit 2010 dafür ein, Vielfalt in Deutschland gezielt zu fördern und Diversity Management in der deutschen Wirtschaft zu etablieren. Rund 3.000 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt 10,9 Millionen Beschäftigten haben die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt schon unterzeichnet. Auch der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) zählt dazu.

Gesellschaftliche Institutionen größtenteils noch unverändert

Die Arbeitswelt entwickelt sich durch Innovationen in Technik und Wirtschaft stetig weiter, während das Privat- und Familienleben nach wie vor weitgehend traditionell gestaltet ist, so die These von Prof. Isabell Welpe bei der Vorstellung der Studie „Kaleidoscope“ am zweiten Kongresstag der Diversity 2018. Dadurch entstehe eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Arbeitswelt und den Möglichkeiten zur Organisation des Privat- und Familienlebens, die Berufstätige belaste und verhindere, dass sie ihr Potenzial im Arbeits- und Privatleben verwirklichen können.

Welpe verdeutlichte diese Diskrepanz an konkreten Zahlen: Während beispielsweise 45% der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angaben, dass sie außerhalb der Arbeitszeit ständig oder manchmal erreichbar seien und E-Mails oder Telefonate beantworten, sei dennoch nach wie vor das Arbeiten im Büro zu festen Arbeitszeiten die Regel. Nur 11% der Beschäftigten arbeiten im Home-Office. Zwei Drittel der Befragten gaben an, sich mehr Flexibilität zu wünschen, um das Privatleben besser in den Griff zu bekommen. Als Hindernisse für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie nannte Welpe unter anderem fehlende Kitaplätze, die Tatsache, dass knapp die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland von Angehörigen versorgt wird sowie den Umstand, dass 18,4 Millionen Deutsche im Schnitt zu ihrem Arbeitsplatz pendeln und dabei im Durchschnitt eine Pendelentfernung von 16,91 Kilometern zurücklegen. 

Kreative Ideen und innovative Lösungsansätze

Die vorgestellte Studie „Kaleidoscope“ identifiziert kreative Ideen und innovative Lösungsansätze aus der ganzen Welt – auf individueller, organisationaler und staatlicher beziehungsweise gesellschaftlicher Ebene. Die in der Studie identifizierten Ideen und Konzepte sollen Organisationen als Anregung für die Entwicklung und Umsetzung eigener Maßnahmen dienen. Dazu zählen beispielsweise Lösungsansätze wie die Kombination von Wohnen und Dienstleistungen oder innovatives Gesundheitsmanagement auf Dienstreisen.

Zur Bekanntmachung, Organisation und Integration der verschiedenen Lösungsangebote im Unternehmen bietet sich eine digitale Plattform an: Über eine sogenannte „Life-Work-App“ können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise zu den Themen Mobilität, Freizeit, Kinder, Haushalt, Pflege, Gesundheit, Finanzen und Wohnen informieren, austauschen und Angebote

für Betreuung, haushaltsnahe Dienstleistungen, Freizeit und Gesundheit verwalten. Das Unternehmen Adidas zum Beispiel hat für seine Beschäftigten eine solche Plattform für Haushaltsdienstleistungen eingerichtet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können darüber Aufträge für Babysittig oder für Putz- und Fahrdienste erteilen. Auch einen Wäscheservice können Unternehmen für ihre Arbeitskräfte organisieren. Bei Henkel (Persil) geben die Beschäftigten ihre Wasche an einer Sammelstelle in der Organisation ab und holen sie zwei Tage später frisch gewaschen und gebügelt wieder ab. 

Ideenkarten

Die für die Studie „Kaleidoscope“ ermittelten kreativen Lösungen wurden zusätzlich in Form sogenannter „Ideenkarten“ aufbereitet. Diese Karten geben für die Bereiche Familie, Haushalt, Lebensstil / Freizeit, Wohn-/ Arbeitsformen und Pflege konkrete Impulse, die auf individueller Ebene, von Organisationen, vom Staat oder auf kultureller/normativer Ebene umgesetzt werden können.

Weiterführende Informationen

Diversity 2018

Charta der Vielfalt

Studie Kaleidoscope

Ideenkarten zur Studie Kaleidoscope

8. Januar 2019
Quelle: Charta der Vielfalt e. V.
Foto: © Ina Jungbluth

 

« zurück

Literatur zum Thema