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Lernen von Anita C. Keller: Zunehmende Arbeitsunterbrechungen haben langfristige Folgen für das Wohlbefinden

Arbeitsunterbrechungen sind vielfältig: die gerade eingegangene E-Mail, die sofort bearbeitet wird, der Telefonanruf, der entgegengenommen wird, die kurze Frage der Kollegin oder des Kollegen, die zwischendurch beantwortet wird. Für Beschäftigte stellen Arbeitsunterbrechungen den häufigsten Stressfaktor dar. Eine neue Studie zeigt, dass steigende Arbeitsunterbrechungen langfristige Auswirkungen auf Wohlbefinden und psychosomatische Beschwerden haben.

Lernen von Anita C. Keller: Zunehmende Arbeitsunterbrechungen haben langfristige Folgen für das Wohlbefinden |

 Zwei Längsschnittstudien

Das internationale Forschungsteam um Anita C. Keller von der Universität Groningen in den Niederlanden untersuchte in zwei Längsschnittstudien die mittel- und langfristigen Folgen von Arbeitsunterbrechungen auf das Wohlbefinden von beschäftigten Personen. An der ersten Studie nahmen insgesamt 415 junge berufsunerfahrene Menschen aus der Schweiz in insgesamt vier Befragungen über fünf Jahre teil. An der zweiten Studie nahmen 663 beschäftigte Personen aus verschiedenen Organisationen teil. Diese wurden im Zeitraum von acht Monaten alle zwei Monate befragt. Die Teilnehmenden wurden gebeten, Auskunft zur Häufigkeit von Arbeitsunterbrechungen, Anzahl psychosomatischer Beschwerden wie zum Beispiel Kopf- oder Rückenschmerzen und zu ihrer Jobzufriedenheit zu geben.

Negative Auswirkungen auf Jobzufriedenheit

Die Ergebnisse der beiden Studien zeigen, dass zunehmende Arbeitsunterbrechungen negative Auswirkungen auf die Jobzufriedenheit haben und zu steigenden psychosomatischen Beschwerden führen. Dies könnte nach Ansicht des Forschungsteams daran liegen, dass beschäftigte Personen neue Bewältigungsstrategien entwickeln müssen, um mit den gestiegenen Unterbrechungen umgehen zu können. Darüber hinaus können bisher bewährte Strategien beim Bearbeiten von komplexeren Aufgaben ebenfalls versagen. Frühere Studien zeigen zudem, dass mehr Arbeitsunterbrechungen in Verbindung mit höherem Zeitdruck stehen. Dies kann dazu führen, dass beschäftigte Personen das Gefühl entwickeln, weniger Kontrolle über ihre Arbeit zu haben.

Tipps für die Praxis

Um Arbeitsunterbrechungen zu verringern, gibt das Forschungsteam folgende Praxistipps:

  • In Großraumbüros können separate Bereiche für Besprechungen, Telefonate und Unterhaltungen eingerichtet werden.
  • Festgelegte Zeiten, in denen keine E-Mails oder Telefonate beantwortet werden, können Unterbrechungen verringern.
  • Mit Kolleginnen und Kollegen kann eine Vereinbarung getroffen werden, dass bei geschlossener Bürotür nicht gestört werden soll
  • Einzelne Homeoffice-Tage können dazu genutzt werden, komplexere Aufgaben zu bearbeiten, die die ungeteilte Aufmerksamkeit benötigen.

Weiterführende Informationen

Keller, A. C., Meier, L. L., Elfering, A., Semmer, N. K. (2019). Please wait until I am done! Longitudinal effects of work interruptions on employee well-being. Work and Stress. Hier online verfügbar

30. Juli 2019
Quelle: Work & Stress
Symbolfoto: © rawpixel.com – pexels.com

 

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